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Gesundheitspsychologie als Anwendungsfach im Diplomstudiengang Psychologie
1. Zielsetzung und Perspektive
Die Gesundheitspsychologie ist die derzeit am schnellsten wachsende
Disziplin innerhalb der psychologischen Anwendungsfächer. Sie
qualifiziert für ein Berufsfeld, das bislang noch nicht systematisch im
Diplomstudiengang berücksichtigt wurde, zugleich aber seit etwa einer
Dekade eines der bedeutendsten Anwendungsfelder berufstätiger
Psychologen auf nationaler und internationaler Ebene darstellt. Die
Einführung dieses Anwendungsfaches leistet damit auch einen
substantiellen Beitrag zur Erhöhung der Chancen von Absolventen der
Psychologie unserer Universität auf dem Arbeitsmarkt.
Das vorgelegte Konzept greift damit die Forderung des HRG auf, durch
Schaffung entsprechender Schwerpunkte ein eigenständiges, instituts-
und universitätsspezifisches Profil zu entwickeln. Derzeit besteht noch
an keiner anderen psychologischen Ausbildungsstätte in Deutschland die
Möglichkeit, Gesundheitspsychologie als eigenständiges Anwendungsfach
zu studieren. Demgegenüber besteht an nordamerikanischen Universitäten
bereits seit mehr als 25 Jahren der Studiengang "Health Psychology".
Auch in Großbritannien und den Niederlanden gibt es inzwischen im
Rahmen der universitären Psychologieausbildung ein etabliertes und
standardisiertes Lehrangebot in Gesundheitspsychologie. Die Einrichtung
des Faches Gesundheitspsychologie verbessert somit also die
strukturellen Voraussetzungen für zukünftige Weiterentwicklungen in den
Hochschulen, wie etwa eine stärkere Durchlässigkeit im Sinne von Credit
points sowie BA- und MA-Studiengängen auf europäischer und
internationaler Ebene.
2. Aufgabenbereich der Gesundheitspsychologie
Die Entwicklung des Faches Gesundheitspsychologie ist wesentlich
mitbestimmt durch Veränderungen, die sich in diesem Jahrhundert in den
Krankheitsbedingungen, dem Krankheitsspektrum und den
Haupttodesursachen vollzogen haben. Während zu Beginn des 20.
Jahrhunderts im Krankheitsspektrum akute Infektionskrankheiten wie
Tuberkulose, Pocken, Typhus, Diphtherie oder Cholera dominierten,
stellen heutzutage chronisch-degenerative Erkrankungen (insbesondere
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes) die
Hauptgesundheitsprobleme dar. Diese Probleme werden wesentlich durch
psychologische Risikofaktoren wie Lebensstile, -gewohnheiten und
-bedingungen beeinflusst.
Gesundheitspsychologie befasst sich schwerpunktmäßig mit der Rolle
dieser psychologischen Faktoren bei der Entstehung und der Prävention
von Risikofaktoren und gesundheitlichen Störungen. Besondere
Berücksichtigung finden dabei die protektiven Faktoren von Gesundheit.
Bei der Realisierung dieser Zielsetzung greift sie auf andere
psychologische Fächer, insbesondere aus dem Grundlagenbereich, zurück.
Gesundheitspsychologie kann damit zusammenfassend definiert werden als
wissenschaftlicher Beitrag der Psychologie zur a) Förderung und
Erhaltung von Gesundheit, b) Verhütung und Behandlung von Krankheiten,
c) Bestimmung von Risikoverhaltensweisen, d) Diagnose und
Ursachenbestimmung von gesundheitlichen Störungen, e) Rehabilitation
und f) Verbesserung des Systems gesundheitlicher Versorgung. Zielebenen
gesundheitspsychologischer Forschung und Praxis sind dabei sowohl das
Individuum als auch das Kollektiv.
Die Gesundheitspsychologie unterscheidet sich von den benachbarten
Disziplinen Medizinische Psychologie, Verhaltensmedizin und Klinische
Psychologie dadurch, dass sie von einem positiven Gesundheitsbegriff
ausgeht, Gesundheit also nicht als die bloße Abwesenheit von Krankheit
auffasst. Dabei wird dem präventiven Aspekt Vorrang vor kurativen und
rehabilitativen Maßnahmen eingeräumt, wobei innerhalb der Prävention
der Aufbau einer gesundheitsfördernden Lebensweise nochmals Vorrang vor
der Vermeidung gesundheitsschädigenden Verhaltens hat. Durch diese
präventive Zielsetzung und die Einbeziehung der kollektiven Ebene
grenzt sich die Gesundheitspsychologie, trotz vorhandener
Überlappungen, insbesondere auch von der Klinischen Psychologie ab.
3. Berufsfelder
Die rasche Entwicklung der Gesundheitspsychologie in den letzten beiden
Dekaden zeigt eindeutig an, dass der Bedarf an psychologischem
Fachwissen bei der Bearbeitung der genannten Aufgabenstellungen
offenbar groß ist und auch als solcher von den im Gesundheitswesen
Verantwortung Tragenden erkannt wird.
Für die Deckung des Bedarfs an gesundheitspsychologischem Fachwissen
zur kompetenten Bearbeitung der aufgeführten Aufgabenstellungen ist die
Vermittlung entsprechender beruflicher Qualifikationen und damit die
Entwicklung eines gesundheitspsychologischen Berufsbildes unverzichtbar.
Im Gegensatz zu Studierenden, die sich während des Studiums in Richtung
Klinische Psychologie orientieren und damit, nach Absolvierung einer
entsprechenden Weiterbildung, in erster Linie eine Tätigkeit als
Psychotherapeut/in anstreben, stehen Gesundheitspsychologen viele
verschiedene Tätigkeitsfelder offen, beispielsweise
|
I. Theoretische Grundlagen |
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1. Gesundheitspsychologische
Grundlagen |
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II. Spezielle Themen der Gesundheitspsychologie |
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1. Lebenslaufperspektiven |
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III. Gesundheitsförderung |
| 1. Förderung allgemeiner
Kompetenzen für eine gesunde Lebensführung 2. Gesundheitsspezifische Lebensweisen 3. Entwicklungsbezogene Gesundheitsförderung 4. Betriebliche Gesundheitsförderung 5. Gesundheitsförderung bei kritischen Lebensereignissen 6. Gesundheitsförderung bei chronischen Erkrankungen und rehabilitativen Maßnahmen |
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IV. Intervention in verschiedenen Berufsfeldern |
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1. Umgang mit medizinischen
Maßnahmen |
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V. Professionelle und ethische Aspekte gesundheitspsychologischer Tätigkeit |