Attila Brauchler: Auswirkungen der
Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit auf Musikbewertung in
Räumen mit unterschiedlichem Reizniveau
Zusammenfassung
Die Terror-Management-Theorie (vgl. Greenberg et al. 1986;
Greenberg et al., 1997; Solomon et al., 1991) postuliert, daß die
Angst vor Sterben eine zentrale Motivationskraft darstellt, die
Personen dazu veranlaßt, eine kulturelle Weltsicht als Grundlage
des eigenen Selbstwerts, des Puffers gegen diese Angst ("terror")
aufzubauen und permanent aufrechtzuerhalten. Die vorliegende
Untersuchung wurde aufgrund der theoretischen Annahmen und empirischer
Erkenntnisse über die Theorie sowie theoretischer Erwägungen
bezüglich des Reizgehalts in den Erhebungsräumen konzipiert.
72 männliche Studierende hörten jüdische Volksmusik und
Naturklänge in Räumen, die bezüglich des Reizgehalts und
der Ästhetik unterschiedlich eingerichtet wurden. Gemäß
den beiden Haupthypothesen wurde erwartet, daß die
Versuchspersonen, die mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert
wurden, jüdische Volksmusik negativer und die Naturklänge
positiver bewerten als diejenige, die sich mit einem neutralen Thema
(Restaurantbesuch) beschäftigten. Lediglich die zweite
Haupthypothese, die die Beurteilung der Naturgeräusche betraf,
konnte durch die statistische Datenanalyse bestätigt werden.
Die in den beiden Zusatzhypothesen formulierten Interaktionen
der Raumbeschaffenheit mit der Wirkung der Mortalitätssalienz,
wonach die Effekte der Konfrontation mit der eigenen Lebensendlichkeit
in der reizarmen Umgebung zu stärkeren positiven Bewertungen der
Naturklänge und deutlicheren Abwertungen der jüdischen
Volksmusik führt als in den reizreich gestalteten
Erhebungsräumen, konnten durch die erhobenen Daten eindeutig nicht
belegt werden. Die zusätzlich untersuchte ästhetische
Komponente in der reizreichen Bedingung beeinflußte die
obengenannte Bewertungstendenz unwesentlich. Mögliche Gründe
für diese Ergebnisse sowie Verbesserungsvorschläge werden
diskutiert.
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