Britta Dietz: Therapeuten-Klienten-Beziehung.
Eine empirische Studie über die Einschätzung motivationaler
Schemata in Selbst- und Fremdbeurteilung bei §64 StGB Patienten.
Zusammenfassung
Die Studie wird an N=32 Therapiepatienten nach §64 StGB
(=Strafgesetzbuch) durchgeführt. Die Hauptdiagnose ist
Polytoxikomanie mit einer meist vorliegenden komorbiden
Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV. Untersucht werden im
Rahmen der Konsistenztheorie von Grawe (1998) motivationale Ziele.
Dabei unterscheidet man zwischen Annäherungszielen (= grundlegende
Bedürfnisse) und Vermeidungszielen
(= Verletzung grundlegender Bedürfnisse). Inkongruente
Wahrnehmungen motivationaler Ziele sind nach der Theorie die Ursache
für Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Störungen.
Auch spielen sie eine wichtige Rolle in der psychotherapeutischen
Behandlung - inkongruente Wahrnehmungen motivationaler Ziele sollen
sich reduzieren und klinisch relevante Ziele "normalisieren". Es werden
die motivationalen Zielprofile in der Selbstbeschreibung von Patienten,
in der Fremdbeurteilung durch Therapeuten und die (stereotype)
therapeutische Erwünschtheit von motivationalen Zielen mit dem
FAMOS (Fragebogen zur Analyse motivationaler Schemata) erfasst und auf
Diskrepanzen untersucht. Es wird davon ausgegangen, dass Prinzipien der
Personenwahrnehmung (Fiske & Neuberg, 1990) auch bei der
Einschätzung motivationaler Ziele Relevanz besitzen. Der Einfluss
von Diskrepanzen zwischen den Profilen auf die Therapiebeurteilung
durch Patienten bzw. prognostische Einschätzungen durch
Therapeuten wird regressiv geprüft. Des Weiteren werden Profile im
Querschnitt zwischen Aufnahmestationen und Innenwohngruppen
(Therapiephase eins und zwei) verglichen. Im Querschnittsvergleich kann
keine "Normalisierung" des FAMOS-Profils festgestellt werden. Es zeigen
sich insgesamt zahlreiche Diskrepanzen zwischen den Profilen. Die
Fremdbeurteilung orientiert sich deutlich am Patienten, jedoch besitzen
die Diskrepanzen der Selbst- und Fremdbeurteilungsprofile zu dem Profil
der Erwünschtheit motivationaler Ziele eine große Bedeutung
an der Varianzaufklärung der Therapeibeurteilung und
erwartungsgemäß an den therapeutischen Prognosen. Aufgrund
der Selbstbeschreibung als auch - in wenigen Fällen - durch
Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdbeurteilung ist eine Vorhersage
der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung möglich.
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