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Beate Enders: Eros und Thanatos: Intensivierung des Glaubens an die romantische Liebe als Mortalitätssalienz

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit leistet einen experimentellen Beitrag zur Überprüfung der Terror-Management-Theorie der amerikanischen Sozialpsychologen, Jeff Greenberg, Tom Pyszczynski und Sheldon Solomon. Diese konnten in zahlreichen Studien -ausgehend vom Gedankengebäude Ernest Beckers - zeigen, daß die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit zu einer Bedrohung des Selbstwertes führt und dadurch eine Intensivierung von Überzeugungen auslöst, die zur Rückgewinnung des Selbstwertes beitragen.

Ochsmann (1988) versuchte zu prüfen, ob dieses Phänomen auch bei Einstellungen hinsichtlich eines romantischen Liebesideals auftreten würde. Er untersuchte mittels der Liebsesstilskalen von Hendrick & Hendrick (1986), ob Studentinnen, die mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert werden, höhere Werte auf Skalen aufweisen würden, die die romantische Liebe repräsentieren, als Studentinnen, die nicht mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert werden. Seine Hypothesen wurden bestätigt. Für die auf der Skala für pragmatische Liebe gefundenen höheren Werte dieser Gruppe konnte er keine Erklärung finden.

Die vorliegende Arbeit versucht diese Ergebnisse zu replizieren. Nach einem Exkurs in alte Theorien, wurden im Umfeld sozialpsychologischer Theorien zur Liebe weitere Ansätze für eine empirirsche Untersuchung von Ochsmanns Hypothesen gesucht. Dabei fand vor allem die "Triangular Theorie of Love" von Sternberg Eingang in die Umsetzung der Untersuchung. Mit einigen methodischen Veränderungen, wie der Einführung neuer, indirekterer Operationalisierungen der Mortalitätssalienzinduktion und der abhängigen Variablen, wurden 43 Studentinnen der Universität Mainz untersucht. Hierbei wurde ein 2x2-faktorielles varianzanalytisches Design gewählt. Die erste unabhängige Variable ist "Mortalitätssalienz". Die eigene Sterblichkeit wurde entweder bewußt gemacht oder nicht bewußt gemacht. Die zweite unabhängige Variable ist "Glaube an die romantische Liebe" mit den Ausprägungen "hoch" und "niedrig". Als abhängige Variable dienten die Liebesstile von Hendrick & Hendrick (1986) sowie der Selbstwert und die Komponenten Intimacy, Passion und Commitment von Sternberg (1986). Als weitere Variablen wurden die "Love History" und demographische Variablen untersucht. Als Kontrollvariable dient die Stimmung.

Die Ergebnisse zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Personen, die mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert worden waren, und denjenigen, wo dies nicht erfolgt war. Signifikante Unterschiede zeigten sich erwartungsgemäß in Abhängigkeit ihrer Einstellung zur romantischen Liebe. Im Sinne der Hypothesen wurden lediglich tendenzielle Effekte gefunden und zwar eine Erhöhung der "eros"- und "pragma"-Werte, wie bei schon bei Ochsmann. Signifikante Unterschiede bei der Darstellung der Beziehung in Form des Sternberg-Dreiecks traten in der Weise auf, daß die Versuchspersonen, die mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert worden waren und einen hohen Glauben an die romantische Liebe hatten, die kleinsten Dreiecke ausschnitten. Dies konnte mit Hilfe der Terror-Management-Theorie aber nicht erklärt werden. Tendenzielle Auffälligkeiten im Selbstwert bei der Gruppe, die mit ihrer Sterblichkeit konfrontiert wurde und einen niedrigen Glauben an die romantische Liebe hatte, ließen alternative Erklärungen zu: zum einen im Sinne der Terror-Management-Theorie, zum anderen im Sinne sozialpsychologischer Theorien zum Selbst.

Mit Hilfe der Gedanken von C.G. Jung wurden die Ergebnisse integriert und so der Versuch unternommen, der Vielfältigkeit des Zusammenhangs zwischen Liebe und Tod Rechnung zu tragen.

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