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Jannine Engeldinger: Rauchverzicht in der Schwangerschaft - untersucht anhand der Faktoren der Theorie des geplanten Verhaltens und des Faktors der Sozialen Unterstützung

Zusammenfassung

Das Bild einer rauchenden schwangeren Frau ist in unserer Gesellschaft assoziiert mit dem Bild einer rücksichtslosen, egoistischen »Rabenmutter«, die mehr an ihrem eigenen Vergnügen als an der Gesundheit ihres Ungeborenen interessiert ist. Zwar gelingt es tatsächlich dem größeren Teil der rauchenden Frauen nicht, während einer Schwangerschaft abstinent zu werden, es ist jedoch anzunehmen, dass diese Frauen nicht aus Ignoranz oder purer Böswilligkeit weiterrauchen. In der vorliegenden Arbeit wurde nun der Frage nachgegangen, welche Schwierigkeiten schwangere Frauen bei einem Rauchverzicht haben, bzw. welche Faktoren zu einem erfolgreichen Abstinenzversuch beitragen. Damit sollte versucht werden das Klischee der »Rabenmutter« zu entkräften und eine Basis für einen verständnisvolleren und einfühlsamen Umgang mit rauchenden Frauen zu schaffen, aus dem heraus sich neue Ansätze der Abstinenzunterstützung entwickeln ließen. Denn mit einer dem Wort der »Rabenmutter« implizierten Verurteilung ist noch nicht etwas für das Wohl der werdenden Mutter und ihres Ungeborenen erreicht. Im Gegenteil: Druck der Personen um die Schwangere herum kann auch einen negativen Effekt auf das Verhalten der Frau haben, da dadurch Unehrlichkeit, heimliches Verhalten oder gar »Trotzreaktionen« hervorgerufen werden können und nicht das für ein Umdenken so wichtiges Reflektieren des eigenen Handelns und seiner Auswirkungen.

Rauchverhalten wird zu den Gesundheits- bzw. Risikoverhaltensweisen gezählt, deren Veränderungen vielfach anhand verschiedener Gesundheitsverhaltenstheorien erforscht wurden. Eine dieser Theorien ist die »Theorie des geplanten Verhaltens« (TPB; Ajzen, 1985), die schon häufig bezüglich des Rauchverhaltens von Personen, aber nur vereinzelt hinsichtlich des speziellen Falles des Rauchverhaltens in der Schwangerschaft eingesetzt wurde. Sie diente auch hier als Grundlage der Untersuchung. Aufgrund der Tatsache, dass anhand der Theorie - ähnlich den meisten anderen Gesundheitsverhaltenstheorien - nur maximal 40% der Verhaltensvarianz aufgeklärt werden können, wurde ein weiterer Faktor, die Soziale Unterstützung, in das Modell integriert. Viele Studien zum Rauchverzicht von Frauen im Allgemein sowie schwangerer Frauen im Besonderen entdeckten in der Sozialen Unterstützung einen wichtigen Beitragsfaktor für den Abstinenzversuch, daher sollte sie hier anhand der konkreten Verhaltenweisen des Partners hinsichtlich eines Abstinenzversuchs sowie der generellen sozialen Unterstützung durch das Soziale Umfeld der Frau zusätzlich untersucht werden.

Die Daten wurden mit Hilfe eines Fragebogens erhoben, den schwangere Frauen über gynäkologische Arztpraxen, Hebammen, eine Klinik oder das Internet erhielten, wobei sowohl noch rauchende als auch bereits abstinente Schwangere angesprochen wurden. Die Relevanz der geprüften Faktoren (TPB, Soziale Unterstützung) für einen Rauchverzicht wurde anband von Multivariaten Varianzanalysen und einer Diskriminanzanalyse untersucht.

Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse: alle drei TPB-Faktoren haben einen Einfluss auf das Rauchverhalten der schwangeren Frauen, die Soziale Unterstützung zeigte keinerlei Einfluss. Es ergab sich weder hinsichtlich der konkreten Verhaltensweisen der Partner noch bezüglich der generellen Sozialen Unterstützung des Sozialen Netzwerks ein Unterschied zwischen den noch rauchenden und den abstinenten Schwangeren. Nach diesen Ergebnissen unterscheiden sich die beiden Gruppen rauchende und abstinente Schwangere also in der Einstellung, der Sozialen Norm und der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle hinsichtlich des Rauchens in der Schwangerschaft.

In der erhobenen Stichprobe sind danach die noch rauchenden schwangeren Frauen dem Rauchen weniger negativ eingestellt und auch weniger gut über die Auswirkungen des Rauchens auf ihr Baby informiert, als die abstinenten Schwangeren - das Teilziel, das o. g. Vorurteil zu entkräften, wurden mit diesem Ergebnis also leider verfehlt. Jedoch widerspricht das Ergebnis damit den mittlerweile weitestgehend anerkannten Befunden, dass die Mehrzahl der schwangeren Frauen von den Folgen für das Ungeborene wissen, der Großteil der Schwangeren dem Rauchen in der Schwangerschaft gegenüber negativ eingestellt ist und auch mit dem Rauchen aufhören möchte. Für das Verständnis rauchender Schwangerer zeichnete sich dagegen eine wichtige Erkenntnis ab: sie haben eine auffallend geringe wahrgenommene Verhaltenskontrolle, woran im Rahmen der Schwangerenberatung angeknüpft werden könnte.

Die Stichprobe setzt sich zwar zu gleichen Teilen aus noch rauchenden und abstinenten Schwangeren zusammen, jedoch wurden insgesamt nur 42 schwangere Frauen erreicht. Daher sind aus dieser Untersuchung keine allgemeingültigen Schlüsse ableitbar. In weiteren Untersuchungen sollte noch stärker ein Schwerpunkt auf das Erreichen der schwangeren Frauen und ihre Motivation zur Teilnahme gesetzt werden, um einen langwierigen und trotzdem wenig erfolgreichen Erhebungszeitraum zu umgehen.


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