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Kerstin Gaß: Häusliche Betreuung Sterbenskranker: Die Auswirkung der Pflege auf die Gesundheit der BetreuerInnen

Zusammenfassung

Diese Studie ist der Frage nachgegangen, wie sich die häusliche Betreuung eines sterbenden Angehörigen auf den gesundheitlichen Zustand der Hauptpflegeperson auswirkt. Besonders interessierte dabei, ob ein allgemeines Modell, das den Einfluß von Streß auf die Gesundheit beschreibt, auch für den Fall der terminalen Pflege zutrifft.

Die verwendeten Daten stammen aus standardisierten Interviews, die im Rahmen eines Forschungsprojektes mit 89 Personen durchgeführt worden waren. Diese hatten als hauptsächliche Betreuungsperson einen terminal erkrankten Angehörigen bis zu seinem Tod gepflegt und sich selbst auf Anzeigen hin als Gesprächspartner zur Verfügung gestellt. Das Interview bestand sowohl aus quantitativen Fragen als auch aus qualitativen Fragen, die von den Befragten frei beantwortet werden konnten. Diese narrativen Fragen wurden mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet, um zu gewährleisten, daß keine wichtigen Details verloren gehen.

Es zeigte sich, daß bei knapp einem Drittel der Hauptpflegepersonen die direkt erfragten Verhaltensweisen, die der Gesundheit dienen, während der Zeit der Pflege im Vergleich zu vorher eingeschränkt wurden. Als Gründe hierfür wurden vor allem der Zeitmangel und die ständige gedankliche Beschäftigung mit der Betreuung des Sterbenden genannt. Auch bei dem weiteren Gesundheitsverhalten, das aufgrund einer offenen Frage in Kategorien erfaßt wurde, zeigte sich insgesamt eine Abnahme, die jedoch weniger gravierend war.

Bei der Betrachtung mehrerer möglicher Einflußfaktoren ergab sich wider Erwarten, daß weder das Ausmaß der Belastung durch die Pflege, noch die Intensität der sozialen Unterstützung oder die Anzahl der sozialen Kontakte, über die eine Person verfügt einen systematischen Einfluß auf das Gesundheitsverhalten haben. Zuletzt wurden die Auswirkungen der Verhaltensänderungen auf des Gesundheitsstatus der Gesprächspartnerinnen untersucht. Zwar gaben diese im Durchschnitt an, daß ihre gesundheitliche Verfassung während der häuslichen Pflege schlechter geworden war, dies war aber unabhängig davon, ob sie ihr Gesundheitsverhalten eingeschränkt hatten oder nicht. Lediglich auf die Anzahl akuter Erkrankungen im Betreuungszeitraum hatte sich dieses Verhalten ausgewirkt, dergestalt, daß die gesundheitlich nicht Aktiven im Mittel häufiger krank waren. Es konnte festgestellt werden, daß ein allgemeines Streßmodell zur Erklärung dieser gesundheitlichen Auswirkungen der Betreuung nur wenig beitragen kann. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, daß die Aufnahme der Pflege, nicht nur aber auch, in gesundheitlicher Hinsicht eine Sonderstellung einnimmt. Die Pflege, die von den allermeisten der hier befragten Personen aus Überzeugung und weniger aus Verpflichtung heraus übernommen worden war, scheint den Betreuerinnen für eine ganze Weile soviel Befriedigung zu verschaffen, daß sie die eigenen Bedürfnisse ohne nennenswerte gesundheitliche Folgen in den Hintergrund stellen können.

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