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Beate Kahl: Konfliktlösestrategien im Trennungsverlauf romantischer Beziehungen

Zusammenfassung

Die vorliegende Untersuchung beschäftigte sich mit der Situation von Frauen vor der Auflösung einer romantischen Beziehung. Theoretischer Ausgangspunkt ist das Investmentmodell und die Typologie der Konfliktlösestrategien von Rusbult (1980, 1983), deren Annahmen zufolge der Grad der Zufriedenheit, die Höhe der Investitionen und die Qualität der Alternativen Einfluss nehmen, welche Reaktionen - Verlassen, Mitsprache, Vernachlässigen oder Loyalität - in einem Konflikt wahrscheinlicher sind. 30 Frauen (durchschnittliches Alter 36 J.), die eine auf Dauer anlegte Beziehung geführt hatten, die vor maximal 18 Monaten endete, nahmen an einem halbstandardisierten Interview teil, das neben den Strategien und Investment Modellvariablen auch Maße wie Bindungsstile, Beziehungserfahrungen, Beziehungsideale und die Qualität der erlebten Beziehung erfasste. Die Interviews wurden statistisch und inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Teilnehmerinnen reagierten multimodal auf Konflikte: Mit Voice zu reagieren, ist die am häufigsten berichtete Strategie (100% der Frauen), gefolgt von Loyalty (80%), Exit (77%) und Neglect (60%). Als Trennungsgrund wurde in 43% der Fälle eine Außenbeziehung des Partners angegeben, was zeigt, dass attraktive Alternativen eine Beziehung bedrohen. Die Strategie Vernachlässigen der Beziehung berichteten die Teilnehmerinnen eher nach großem materiellen Investment. Mitsprache nutzten sie eher, wenn sie den Partner als emotional engagiert wahrnahmen. Bestanden große Unterschiede zwischen Ideal- und Realbeziehung, verhielten sich die Teilnehmerinnen im Konfliktfall eher loyal. Größere Bindung an den Partner ging einher mit größeren Investitionen und mit größerer Diskrepanz zwischen Ideal- und Realbeziehung. Ebenso mehr Bindung schilderten die Frauen bei größerer Unzufriedenheit und emotional engagiertem Partner. Zufriedenheit berichteten die Frauen eher, wenn ihre Beziehungsideale der erlebten Partnerschaft nahe kamen. Investitionen standen in positivem Zusammenhang mit dem eingeschätzten materiellen Investment des Partners. Nahmen die Frauen den Partner emotional engagiert wahr, glichen ihre Beziehungsideale der Beziehungsqualität. Je mehr der Partner in den Augen der Frauen materiell investierte, desto unzufriedener schätzten sie ihn ein. Verlassene Frauen berichten von größerer Zufriedenheit als diejenigen, die selbst die Beziehung beendeten. Mütter fühlten sich der Beziehung mehr verbunden und engagierten sich emotional mehr als kinderlose Teilnehmerinnen. Frauen, bei denen die Kluft zwischen Idealbeziehung und Realbeziehung kleiner ist, schätzten das emotionale Investment des Partner höher ein, waren zufriedener, aber sie waren weniger gebunden. Die theoretische Annahmen konnten nur teilweise bestätigt werden. Die Untersuchung offenbart die Vielschichtigkeit eines konkreten Trennungsprozesses und die Schwierigkeit, eindeutige Aussagen zur Vorhersage von Reaktionsweisen zu machen.

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