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Ulrike Kersting: Veränderung von Geschlechtsrollen durch Migration: Eine empirische Studie an kurdischen Flüchtlingen

Zusammenfassung

In der Untersuchung geht es um die Frage, ob und wie sich das Geschlechtsrollenverhalten von kurdischen Frauen und deren Männern unter der Bedingung erzwungener Migration (Flucht) in Deutschland verändert und welche Auswirkungen das jeweilige Rollenverhalten von Mann und Frau auf die Partnerschaft, das physische und psychische Wohlbefinden, Einsamkeit und die Einstellungen zur Frauenrolle hat.

Es wurde erwartet, daß Frauen, deren ursprünglich traditionelle Geschlechtsrolle sich im Exil verändert, aufgrund intrafamiliärer Rollenkonflikte mehr Streitigkeiten in der Partnerschaft haben, durch häufigere Außenkontakte weniger problembelastet und weniger einsam sind, mehr gesundheitliche Probleme wegen der Doppelbelastung von Haushalt und Beruf haben und weniger traditionelle Einstellungen zur Frauenrolle haben als Frauen, die ihre traditionelle Rolle im Exil beibehalten.

26 kurdische Flüchtlingsfrauen wurden anhand eines Interviewleitfadens mit offenen und geschlossenen Fragen in ca. einstündigen Sitzungen, z.T. mit Hilfe von Übersetzerinnen, zu folgenden Themen befragt: Rolle der Frau und des Mannes (Unabhängige Variable); Beziehung zum Mann, Häufigkeit des Streitens mit dem Mann, Depressivität ( mit Hilfe des ADS?K), Lebenszufriedenheit und Optimismus, Gesundheitszustand, körperliche Beschwerden, Einstellungen zur Frauenrolle (Abhängige Variablen); soziale Unterstützung, Akkulturationsgrad, soziodemographische Angaben sowie Angaben zur momentanen Lebenssituation (Kontrollvariablen).

Die Ergebnisse zeigten, daß entgegen der Hypothesen die Frauen mit beibehaltener Rolle mehr Konflikte in der Partnerschaft und mehr gesundheitliche Probleme haben als Frauen mit veränderter Rolle. Diese Tatsachen wurden im Gesamtzusammenhang der Ergebnisse interpretiert, die ansonsten die Hypothesen bestätigten, daß Frauen mit beibehaltener Rolle einsamer sind als Frauen mit veränderter Rolle. Die Ergebnisse zur Problembelastetheit und Einstellungen zur Frauenrolle lassen keine eindeutigen Schlüsse zu. Insgesamt hatte die Rolle des Mannes kaum einen Einfluß auf die abhängigen Variablen, meist zeigte sich ein Haupteffekt der Rolle der Frau.

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