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Kai Krämer: Persönliche Eigenschaften und deren Relevanz für die inhaltsorientierte Beurteilung der glaubhaftigkeit von Tatverdächtigenaussagen.

Zusammenfassung

Ausgehend von der Beobachtung, dass sich in unterschiedlichen Studien die Anzahl signifikant zwischen wahren und erfundenen Aussagen trennender, inhaltlicher Glaubhaftigkeitsmerkmale unterscheidet, sollte in der vorliegenden Untersuchung der Einfluss der im wesentlichen aus dem Modell der primären und sekundären Täuschung (Köhnken, 1990) abgeleiteten Personmerkmale private und öffentliche Selbstaufmerksamkeit, Selbstüberwachung und Intelligenz auf die Einschätzung der Glaubhaftigkeit von Aussagen überprüft werden.

Hierfür wurde im Rahmen eines Scheinverbrechen- Paradigmas der Diebstahl eines Portemonnaies und in der Kontrollbedingung das Abholen einer Diskette simuliert. Im Anschluss wurde mit Hilfe des verbesserten kognitiven Interviews eine Aussage zur Tat erhoben, die per Instruktion entweder wahr, teils wahr und teils erfunden oder komplett erfunden sein sollte. Mittels einer inhaltsorientierten Glaubhaftigkeitsbeurteilung wurde der Realitätsgehalt der Aussagen überprüft. Hierbei kamen ausgewählte Merkmale aus den Merkmalssystemen von Steller und Köhnken (1989) sowie von Niehaus (2001) zum Einsatz. Zusätzlich wurden die Personenmerkmale mit Hilfe des Selbstaufmerksamkeits-Fragebogens SAF nach Merz (1986), der Selbstüberwachungsskala SUEW nach Schiefele (1990) und dem Mehrfachwahl- Wortschatz-Intelligenztest MWT-B von Lehrl (1977) erhoben und gingen neben der Kontrollvariblen Geschlecht in die varianzanalytische Auswertung mit ein.

Neben diversen Haupteffekten der Personmerkmale auf die Ausprägungen einzelner Glaubhaftigkeitsmerkmale und über die Einzeleinschätzungen aggregierte Summenwerte, erwiesen sich vor allem mehrere Interaktionseffekte von Intelligenz und öffentlicher Selbstaufmerksamkeit in Verbindung mit dem tatsächlichen Wahrheitsgehalt der Aussagen auf einzelne Glaubhaftigkeitsmerkmale und Summenwerte als statistisch bedeutsam. Sich anschließende Analysen für die Subpopulation einer niedrigen und hohen Ausprägung der öffentlichen Selbstaufmerksamkeit und der Intelligenz ergaben eine Veränderung der differentiellen Validität. Demnach erlaubten die entsprechenden Merkmale und Summenwerte nur unter den Bedingungen niedriger öffentlicher Selbstaufmerksamkeit oder hoher Intelligenz eine valide Trennung von wahren und erfundenen Aussagen. Für die Subpopulation getrennte Diskriminanzanalysen bestätigten jedoch nur zum Teil einen erwarteten Unterschied in der Treffsicherheit der Glaubhaftigkeitsmerkmale.

Auch im Hinblick auf die praktische Anwendung im Bereich der forensischen Gutachtertätigkeit wird die weitere Erforschung und Identifikation von Randbedingungen gefordert, unter denen inhaltsorientierte Glaubhaftigkeitsmerkmale eine zuverlässige Trennung von wahren und erfundenen Aussagen ermöglichen.    

 


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