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Noelle Loch: Die Anwendbarkeit von Persönlichkeitsfragebögen bei Straftätern: Effekte Sozialer Erwünschtheit auf die Selbstbeschreibung inhaftierter junger erwachsener Delinquenten

Zusammenfassung

Das Ziel der vorliegenden Studie war es, Aussagen über die Anwendbarkeit von Persönlichkeitsfragebögen (konkret: der deutschen Version des Neo-Persönlichkeitsinventars nach Costa und McCrae (Neo-PI-R), der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) und des Fragebogens zu Kompetenz- und Kontrollüberzeugung (FKK)) bei jungen erwachsenen inhaftierten Straftätern im Hinblick auf ihre Einsetzbarkeit in der kriminalpsychologischen Diagnostik treffen zu können.

Besonderes Interesse galt hierbei der Wirkung der Tendenz, sich bei der Selbstbeschreibung in subjektiven Fragebogenverfahren in sozial erwünschter Weise darzustellen bzw. dem Ausmaß, in dem hierdurch die wahren Werte der Delinquenten auf den einzelnen Persönlichkeitsskalen verfälscht werden.

Die Überlegung hierbei war, dass Häftlinge einerseits eine besonders starke Motivation haben sollten, sich sozial erwünscht darzustellen (da sie in extremen Maße von Entscheidungen, die andere über ihr Leben treffen, abhängig sind), dass sie andererseits aber als Resultat ungünstiger Sozialisationsaspekte und dem Einfluss eines anti-sozialen Umfelds eher geringe Fähigkeiten dazu haben sollten, als Folge einer schwach ausgeprägten Vertrautheit mit den allgemein geltenden sozialen Normen.

Zusätzlich sollte der Einfluss von Faktoren wie Intelligenz und Depressivität auf diese sozial erwünschte Darstellung, bzw. die Fähigkeit und Motivation dazu, näher beleuchtet werden und die faktorielle Struktur sowie die Reliabilität der Verfahren bei deren Einsatz in der beschriebenen Population überprüft werden.

Dazu wurden 95 Insassen der Jugendstrafanstalt (JSA) Wiesbaden und zum Vergleich 123 nicht-delinquente, ansonsten weitgehend vergleichbare, Jugendliche jeweils etwa hälftig auf die beiden Instruktionsbedingungen "ehrlich antworten" und "sozial erwünscht antworten" aufgeteilt und im Anschluss darum gebeten, die oben erwähnten Fragebögen auszufüllen.

Wie sich zeigte besteht kein genereller Unterschied zwischen den Häftlingen und den Nicht-Häftlingen hinsichtlich der Fähigkeit und der Motivation, sich bei der Selbstbeschreibung durch Persönlichkeitsfragebögen sozial erwünscht darzustellen. Dieses Ergebnis erlaubt es, genau wie die faktorielle Struktur, die sich in allen Untersuchungsgruppen bestätigen ließ, und die ebenfalls in allen Gruppen gefundenen mindestens befriedigenden Reliabilitäten der Tests, einer Anwendbarkeit der Verfahren innerhalb von Jugendstrafanstalten bzw. Gruppen jugendlicher Straftäter in Allgemeinen ohne Bedenken zuzustimmen.

Einflüsse von Alter und Intelligenzniveau auf die Fähigkeit bzw. Motivation sich sozial erwünscht zu präsentieren wurden nicht gefunden, wohingegen sich für Depressivität Effekte auf die Tendenz zu Sozialer Erwünschtheit bei Testantworten zeigten.


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