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Hans-Peter Matthes: Mortalitätssalienz, Religiösität und kognitive Leistung: Eine empirische Überprüfung der Terror-Management-Theorie

Zusammenfassung

Nach den Annahmen der Terror-Management-Theorie versucht der Mensch, seine existentielle Angst angesichts des Todes mit Hilfe eines kulturellen Angstpuffers zu bewältigen, der aus einem kulturellen Weltbild und dem Selbstwert besteht. Das kulturelle Weltbild bietet dem Einzelnen einen Sinnrahmen und Werte für sein Leben und verheißt eine Art von realer oder symbolischer Überwindung des Todes, oft in explizit religiöser Form. Der Selbstwert läßt glauben, den Standards des Weltbilds zu entsprechen. In einer Reihe von empirischen Überprüfungen der Theorie konnte gezeigt werden, daß beim Bewußtwerden der eigenen Sterblichkeit auf Bedrohungen des Weltbildes mit Anstrengungen reagiert wird, dieses zu stabilisieren. Solche Verteidigungsversuche fanden sich u.a. auf der Ebene von konkretem Verhalten, konnten auch durch einen Mißbrauch von Gegenständen mit hohem kulturellen Symbolwert ausgelöst werden und führten dabei zu schlechterer Leistung bei Problemlöseaufgaben (Greenberg et al., 1995). Außerdem ergaben sich Hinweise, daß der Prozeß zur Bewältigung bewußt gewordener existenzieller Angst mit anderen Aufgaben interferiert, die kognitive Kapazitäten beanspruchen (Arndt et al., 1997).

Die vorliegende Arbeit kombinierte Anregungen aus solchen Studien und untersuchte die Effekte eines symbolischen Angriffs auf die Religion je nach der persönlichen Religiosität und der Frage, ob die Sterblichkeit bewußt war. Abhängige Variablen waren dabei die Leistung bei kognitiven Aufgaben, eine Verteidigung der Religion gegen den Angriff (durch konkretes Verhalten) und die Bereitschaft zum Einsatz für einen religiösen Zweck. Die Vermutung war. daß Hochreligiöse bei einem Angriff auf ihre Religion, besonders bei bewußter Sterblichkeit, schlechtere Leistungen erbringen, die Religion wahrscheinlicher verteidigen und eine höhere Bereitschaft zum Einsatz für sie zeigen. Für Niedrigreligiöse wurde sinngemäß Entgegengesetztes angenommen.

Bei der Verteidigung der Religion und der Bereitschaft zum Einsatz für sie ließ sich jeweils nur ein Effekt der Religiosität nachweisen. Als mögliche Gründe dafür wurden Mängel bei Versuchsdesign und ? durchführung diskutiert. Bezüglich der kognitiven Leistung hingegen konnte lediglich der Effekt der Mortalitätssalienz nicht sicher nachgewiesen werden. Nach einer Gegenüberstellung der Daten der vorliegenden Untersuchung mit vergleichbaren anderen wurde auch hierfür eine Erklärung im Rahmen der Terror?Management?Theorie versucht. Diese bietet ein Modell für das Verständnis des Zusammenhangs zwischen dem Prozeß des Terror-Managements, kognitiver Belastung durch Aufgaben und dem Auftreten typischer Effekte der Mortalitätssalienz.

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