Johanne Plaß: Der Effekt einer Peer
Counseling-Weiterbildung auf das Selbstkonzept der
körperbehinderten Teilnehmer
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit zur Evaluation der Peer
Counseling-Weiterbildung des Bildungs- und Forschungsinstituts zum
selbstbestimmten Leben Behinderter vergleicht die Selbstkonzeptwerte
von 35 körperbehinderten Teilnehmern in vier der Frankfurter
Selbstkonzeptskalen sowie die selbsteingeschätzten
Beratungsfähigkeiten und -eigenschaften vor und nach der
Weiterbildung. Diesem Vorgehen liegt die Annahme zugrunde, dass eine
effektive Weiterbildung zu einer positiven Integration der eigenen
Behinderung in das Selbstbild der Person, zu realistischer
Einschätzung eigener Möglichkeiten und Grenzen und zum
Vorhandensein der notwendigen methodischen und inhaltlichen Kenntnisse
beitragen sollte. Peer Counseling beruht auf den Methoden der
Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie und erfordert von den
BeraterInnen eine besondere Wertschätzung der ratsuchenden Person
gegenüber, empathisches Einfühlen in deren Situation und
Anliegen sowie Echtheit und Offenheit ihr gegenüber. Die
Weiterbildung berücksichtigt dies durch einen hohen Stellenwert
von Selbsterfahrung und die Vermittlung von Fachwissen und
Methodenkenntnissen. Die erwarteten Selbstkonzeptveränderungen in
der allgemeinen Selbstwertschätzung und in den Selbstkonzepten der
Verhaltens- und Entscheidungssicherheit und der Irritierbarkeit durch
andere konnten nachgewiesen werden, signifikant positive
Veränderungen zeigten sich allerdings nur in zwei der sechs
Weiterbildungsgruppen. Das ebenfalls erfasste Selbstkonzept der
Kontakt- und Umgangsfähigkeit war bereits vor der Weiterbildung
sehr positiv ausgeprägt und erfuhr keine signifikante
Veränderung. Niedrigere Ausgangswerte führten mit
größerer Wahrscheinlichkeit zu Veränderungen als
höhere Ausgangswerte.
Es fanden sich Hinweise auf den Einfluss der Erwartungen: hohe
Erwartungen an Selbsterfahrung führten mit größerer
Wahrscheinlichkeit zu Veränderungen als hohe Erwartungen an die
Vermittlung von Beratungstechniken. Veränderungen der
selbsteingeschätzten Beratungsfähigkeiten fanden sich in
allen Gruppen, die Beratereigenschaften wurden nach der Weiterbildung
nicht höher bewertet.
Anhand der Erkenntnisse der Selbstkonzeptforschung, der theoretischen
Annahmen Carl Rogers (1959) und der vorliegenden Ergebnisse wird
diskutiert, inwieweit eine realistischere Einschätzung der eigenen
Fähigkeiten und Eigenschaften Zeichen einer positiven
Persönlichkeitsentwicklung sein kann. Niedrigere Ausprägungen
der Bewertung spezifischer Selbstkonzepte wären dann Ausdruck der
Fähigkeit, auch sozial negativ bewertete Anteile des Denkens,
Fühlens und Verhaltens erkennen und nach außen darstellen zu
können.
◄ Zurück ▲
Nach oben
|