H. Schmidt-Argyriou : Der revidierte Family
Relation Test: Eine Validierungsstudie bei Kindergartenkindern unter
Verwendung einer modifizierten Form der Satzergänzungsmethode und
des Versorgungstests
Zusammenfassung
Der von Bene und Anthony (1957) entwickelte und von
Flämig und Wörner (1977) ins Deutsche übersetzte Family
Relations Test wurde anhand von drei Diplomarbeiten
(Wolf-Süßmann, Gramel und Stolecki,1998) hinsichtlich seiner
Verständlichkeit, des Inhalts einiger Items und der Genauigkeit
der Auswertung revidiert. Der revidierte FRT (FRT-R) wurde an 70
Kindern ( 34 Mädchen, 36 Jungen ) im Alter von 5 und 6 Jahren
empirisch überprüft. In der vorliegenden Arbeit wurde der FRT
mit dem FRT-R verglichen, wie auch die Testergebnisse des FRT-R mit den
Ergebnissen des Satzergänzungstests (SET), der auf
Bindungsmerkmale reduziert wurde. Desweiteren wurde anhand von
alltäglichen Versorgungsaussagen festgestellt, ob Bindung mit
Versorgung einhergeht. Bowlby (1975) geht davon aus, daß Bindung
und Versorgung zwei verschiedene Systeme darstellen. Es wurde zudem
angenommen, daß die 5jährigen Kinder ihren Bezugspersonen
mehr Versorgungs-Items zukommen lassen, als die 6jährigen.
Grundlage der Auswertung des FRT-R waren die Anzahl der
positiven und negativen Itemzuordnungen, sowie die Gesamtzahl der
Itemzuordnung, die eine Person erhielt. Zur statistischen Berechnung
wurden Varianzanalysen, sowie Korrelationen zwischen den einzelnen
Tests und Quartils- und Medianvergleiche herangezogen.
Die Ergebnisse bestätigen eine weitgehende
Übereinstimmung des FRT mit dem FRT-R. Die Zusammenhänge
zwischen den Beziehungsaussagen des FRT-R und den Beziehungsaussagen
des SET können in einigen Punkten bestätigt werden. Bei der
Zuordnung der positiven Items, die die Mädchen und Jungen zu den
Eltern vornahmen, ist ein Zusammenhang der beiden Tests ersichtlich.
Bei der negativen Zuordnung der Items zeigt sich für die Jungen
und Mädchen zur Mutter eine negative Korrelation, was unter
Berücksichtigung diskutierter Ansätze als in diesem Alter
nachvollziehbar erscheint. Die Zuordnung der negativen Items zu dem
Vater zeigt für die Mädchen, aber nicht für die Jungen
Signifikanzen auf.
Die Ergebnisse zeigen weiterhin, daß Bindung mit
Versorgung in Zusammenhang steht, was aufgrund der Tatsache, daß
bei den untersuchten Kindern die Eltern gleichzeitig auch die
versorgenden Personen waren, als erwartet erscheint. Bemerkenswert
erscheint ferner, daß die jüngeren Kinder ihren
Bezugspersonen nicht mehr Versorgungsitems zuteilen als die
älteren. Stattdessen hängt die Verteilung der
Versorgungsitems vom Geschlecht in dem Sinne ab, daß die Jungen
dem Vater mehr Versorgungsitems zuordnen.
◄ Zurück ▲
Nach oben
|